Trauer und Entsetzen: IS reklamiert Anschlag in Barcelona für sich



Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Lieferwagen-Anschlag in Barcelona für sich reklamiert. Dies meldete das auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen Site am Donnerstagabend.

Bei einem Terroranschlag mit einem Lieferwagen auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas hat es am Donnerstagabend nach offiziellen Angaben einen Toten und 32 Verletzte gegeben. Darunter seien zehn Schwerverletzte. Die Zahl der Todesopfer werde wahrscheinlich weiter steigen, sagte der katalanische Innenminister Joaquim Forn am Abend. Lokale Medien hatten zuvor dagegen übereinstimmend von bis zu zwölf Toten berichtet.

Die Polizei bestätigte, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt habe. Demnach war ein Lieferwagen im Zentrum der Stadt in eine Menschenmenge gerast. Man könne derzeit noch nicht sicher sagen, was genau passiert sei, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ein Großaufgebot suche nach dem Täter oder den Tätern. Innenminister Forn sagte weiter, zu dem Anschlag habe sich zunächst niemand bekannt.

Die Beamten waren mit einem großen Aufgebot am Ort und forderten die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Zahlreiche Krankenwagen warenim Einsatz. Viele Menschen liefen in Panik über die Straßen. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es.

Fotos von Anwohnern im Internet zeigten Leichen am Straßenrand. Augenzeugen berichteten, der Lieferwagen sei mit hohem Tempo näher gekommen, die Menschen hätten geschrien und sich in Hauseingängen und Geschäften in Sicherheit gebracht. Die betroffene Gegend um die Flaniermeile Las Ramblas wurde weiträumig abgesperrt.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Menschen hätten versucht, sich in Sicherheit zu bringen, sagte der katalanische Innenminister.

Der Fahrer des Lieferwagens soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen tragen, wie die Zeitung «El Periódico de Catalunya» berichtete. Nach ihm werde gesucht, zitierte das Blatt die katalanische Regionalpolizei.

Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen, berichteten Augenzeugen. Die Geschäfte auf den Ramblas hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen. Polizei geht durch und überprüft, dass keine Terroristen da sind. Die Behörden riefen zu Blutspenden auf.

Nach bisher unbestätigten Berichten mehrerer Medien sollen sich mehrere Menschen in einem Restaurant verschanzt haben. Polizeimitarbeiter hätten bestätigt, dass sich der oder die Täter in einer Bar im Bezirk Raval verschanzt hätten, berichtete die Zeitung«La Vanguardia».

Politiker weltweit reagierten geschockt und betroffen: Die Bundesregierung hat sich erschüttert über den Terroranschlag in Spanien gezeigt. «In tiefer Trauer sind wir bei den Opfern des widerwärtigen Anschlags in Barcelona», schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag auf Twitter. Man stehe in Solidarität und Freundschaft an der Seite der Spanier.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg teilte mit: «Wir stehen vereint im Kampf gegen den Terrorismus.» EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani bekannte, die gesamte EU sei vereint in der Verteidigung des Friedens. US-Präsident Donald Trump lässt sich nach Angaben des Weißen Hauses ständig auf dem Laufenden halten.

«Bin tief erschüttert über Nachrichten aus Barcelona. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Freunden und Angehörigen», teilte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach von einem «feigen Anschlag auf unsere Werte».

Das Auswärtige Amt aktualisierte seine Sicherheitshinweise für Spanien: «Reisenden wird geraten, den Bereich weiträumig zu meiden, den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich über die lokalen Medien zu informieren», teilte das Auswärtige Amt am Donnerstagabend mit.

source